„Schlaflos“

 

Ich komme nicht zur Ruhe. Wilde Gedanken treiben sich in meinen Kopf herum, wie die Seelen ertrunkener Seeleute in den dunklen Tiefen der Meere.
Es rattert in meinem Gehirn, wie ein Zug mit vollbeladenen Kohlewaggons auf alten Schienen und undefinierbare Bilder machen gazellenartige Sprünge durch Zeit und Raum. Polaroidfotos aus all meinen Zeiten und Taten und Drängen kommen und gehen wieder. Und wieder. Bunte Fragmente aus einem Wachtraum halten mich in einer nächtlichen Umarmung aus Unmut, Angst und tiefer Traurigkeit, aus der ich mich nicht zu lösen mag, fest.
Wie ein schüchternes Kind vor seinem ersten Schulauftritt begebe ich mich auf die gemalte Papierbühne, mit seinen Elfenbeintürmen und vanillefarbenden Himmel von Monet, der nun langsam dunkelt und an deren Decke der Silbermond aus Pergamentpapier mir leuchtet, so wie jene Gedanken, die mir Schlaf und Ruhe nehmen; und die doch so wild und warm wie junge Liebe daherkommt und meine Gedankenwelt hinauf zu den Sternen trägt, die sich funkelnd und lachend zu mir gesellen und verweilen, so wie meine Liebste neben mir.

Sie ist mein Halt und ihre Liebe ist mein Heim. Und sie berührt meine Seele, wie ihre Lippen die Meinen. Und nur sie! Mein Herz.
Und doch ist sie mir manches Mal weiter entfernt, als jene Sterne dort oben am Firmament, die mir nun so nah erscheinen, als würden sie meine Stirn berühren, hinter der sich diese abstruse Mischung aus tausenden von Erinnerung und Fantasien zu einem wirren Film zusammen reihen, wie bunte Perlen an einer Schnur.
Ein Kommen und Gehen ist es mit den Bildern in meinem Kopf, wie auf einem Rummelplatz, mit ebenso schreienden Menschen in wild wirbelnden Karussells und grellen Lichtern und Farben und Zuckerwatte, die zwischen den Gedanken klebt und der Duft von Melancholie liegt über all dem, bis der Papiermond erlischt und das wilde Treiben auf der Gedanken Bühne sich sanft und unbemerkt zu wahrem Schlaf wandelt und meine Hand nimmt, um mich ins Traumland zu geleiten.