„Kein Raum dem Tode“

Kein Raum will ich dem Tode geben
Nicht einen, nicht
Kein einz’ges Zimmer, nicht; nicht eines
Nicht einen Funken, der das Dunkel hellt, nicht einen
Will wähnen mich in heller Welt, im Leben, ewiglich
Will Funkenflug aus Sicht und Seele
All das was mein Herz erfreut
Wogen überschwänglichem Entzücken
Voll Übermut in gleißend Licht, königlich
Mich sicherer Umarmung wiegen
Rührselig, eines Kindes gleich
In Mutters Arm des Lebens Salze kosten, eitel
Toben beben tanzend schreien
Abschwör’n tausendfach dem Dunkel Abgesang
Kein Raum des Schicksals Ziele lassen, nein
Dem finstren Schrein entsagen
Kein Raum dem Tode geben
Will wiegen mich in Taten guter neuer Mehr
Will nie mehr müde sein, nie mehr
Weh mir, wenn ich zu nahe geh‘
Den Welten himmlischen Gestirn
Des finstren Tale Rande steh’n
Dem dunklen Tal, der all des Lebens Grenzen stellt
Weh mir, oh weh, dann soll ich geh’n
In Reu‘ und Wehmut will ich steh’n
In Recht und Demut will ich zu Staub vergeh’n
Jedoch bereue ich der Sünde nicht
Denn Weisheit führet mich, innerlich in Seelenkraft und feurig Fleiß
Zu frönen meiner eignen Art, dem Wege immerzu
Vergessen all der unverhohlenen Dinge Tat
Der Schwermut und dem Seelenleid
Entgegen und entgehen dem traurigen Gewande
Um zu nehmen, frei erleben, leidenschaftlich, selbst
Mit aller Macht, laut fluchend, leise betend
Auf Augenhöh‘, eins mit mir, im steten Kampf
Der endlos wie das Sternenzelt
Lass mich, lass mich, losgelassen in wildem Wahn
Ein Funkenregen Asche nieder auf mein Haupt
Fürwahr, an ungezähmten Wellenmeer
An tosend, rauschend, klaffend Ende
Wo Zeit und Raum sich einen
Dort gehe ich
Dort jage ich, reiße aus des letzten Lebens Stücke
Esse sein Leib und trinke sein Blut …
Herr vergib mir meines Wesens Wildnis
Und führe mich ins Licht. Mich!
Ich. In aller meiner Vielfalt, hilflos, blind
Was niemand sonst vergibt, nicht mal mein eigen Ich
Vergib Du mir, nur Du allein
Und lass mich, lass mich ewiglich
Halt mich Herr ...
Und gib kein Raum dem Tode, nicht!